Woche 5 im Kloster Einsiedeln

Liebe Leserinen und Leser 

Diese 5. Klosterwoche war für mich eine Zeit voller Dankbarkeit. Immer mehr spüre ich, dass Gott nicht nur in den grossen Festen und feierlichen Gottesdiensten gegenwärtig ist, sondern auch in den kleinen Arbeiten des Alltags, in der Natur und in den Begegnungen mit den Menschen.



Mit grosser Freude durfte ich am Klosterteich mitarbeiten. Alle Fische haben den Umzug gut überstanden und schwimmen nun gesund und munter in ihrem neuen Zuhause. Es erfüllt mich mit Freude zu sehen, wie sie den Teich angenommen haben. Gemeinsam bauten wir neue Höhlen und schützende Verstecke, damit sie einen sicheren Lebensraum haben. Auch die Lurche und die Libellenlarven wurden behutsam zurück in den frischen Teich gesetzt. Dabei wurde mir bewusst, wie wunderbar Gott seine Schöpfung erschaffen hat. Jedes noch so kleine Lebewesen hat seinen Platz und seinen Wert. 






Ein besonderer Höhepunkt war das Hochfest der Geburt Johannes des Täufers. Der wunderbar eingerichtete obere Chor mit den Reliquien und der wunderschönen Ikone strahlte eine besondere Würde und Heiligkeit aus. In der Feier durfte ich neu erfahren, wie die Heiligen uns im Glauben begleiten und uns auf Christus hinweisen.





Im Reliquiarium durfte ich zusammen mit Bruder Benno Maria arbeiten. Mit grosser Sorgfalt begann ich, ein altes Kreuz aus Silber und Bronze zu reinigen. Schicht um Schicht kam der ursprüngliche Glanz wieder zum Vorschein. Dabei dachte ich daran, dass Gott auch unsere Herzen reinigt und erneuert. Oft verdecken Staub und Lasten den Glanz unserer Seele, doch Gottes Liebe bringt das Verborgene wieder zum Leuchten.


Davor / Danach

Auch die kleine Klosterkatze Heidi schenkte mir viele schöne Augenblicke. Ihre zutrauliche Art erinnert mich daran, wie viel Freude in den einfachen Dingen des Lebens verborgen liegt.

Gemeinsam mit Bruder Anton bereiteten wir den Alteinsiedler-Tag vor. Mit Freude gestalteten und bemalten wir ein Glücksrad. Es war schön zu erleben, wie viele Menschen dadurch ein Lächeln im Gesicht hatten. Besonders eindrücklich war auch der Besuch einer Botschafterin aus den USA, welche der Klostergemeinschaft ein feines Brot mit kunstvoll eingearbeiteten Wappen schenkte – ein Zeichen der Verbundenheit über Ländergrenzen hinweg.




Die Mahlzeiten im Refektorium sind jeden Tag ein Geschenk. In diesem wunderschönen Raum wird Gemeinschaft spürbar. Ebenso erfüllt mich die Arbeit im Klostergarten mit tiefer Freude. Dort zeigt sich Gottes Schöpfung in ihrer ganzen Lebendigkeit. Pflanzen wachsen, Blumen blühen, Vögel singen – überall spricht die Natur von ihrem Schöpfer.

Ein schönes persönliches Ereignis war die Hochzeit von Angelina und Dani. Es war ein Tag voller Freude und Segen. Obwohl die Rückreise wegen eines Zugausfalls beschwerlich war, durfte ich erfahren, dass Geduld und Vertrauen letztlich ans Ziel führen.


Der Alteinsiedler-Tag am Samstag war für mich ein weiterer Höhepunkt. Gemeinsam mit Samuele durfte ich viele bereichernde Gespräche führen, besonders mit Rita und Lukas, zwei engagierten Ministranten. Beim Bogenschiessen traf ich den Raben bereits mit dem ersten Schuss. Schmunzelnd dachte ich dabei an meine Zeit im Militär. Es war ein Moment der Freude und der Dankbarkeit.


So endet diese fünfte Klosterwoche mit einem dankbaren Herzen. Immer mehr erkenne ich, dass der Weg zu Gott nicht aus aussergewöhnlichen Taten besteht, sondern aus Treue im Kleinen, aus Liebe zur Arbeit, aus der Freude an der Gemeinschaft und aus dem Vertrauen auf Gottes Führung. Jede Aufgabe wird zum Gebet, wenn sie aus Liebe geschieht.

Herr Jesus Christus,

ich danke Dir für diese erfüllte Woche im Kloster. Danke für jede Begegnung, jede Arbeit und jeden Augenblick der Stille. Danke für die Schönheit Deiner Schöpfung, für das Leben im Teich, für den Garten, für die Tiere und für alle Menschen, denen ich begegnen durfte.

Ich danke Dir für die Brüder, die mich begleiten, besonders für Bruder Benno Maria und Bruder Anton, und für alle, mit denen ich gemeinsam arbeiten und lachen durfte.

Segne die Fische und alle Geschöpfe, die Du uns anvertraut hast. Segne alle Besucher des Klosters und jene Menschen, die ihre Sorgen und Hoffnungen zur Schwarzen Madonna tragen.

Maria, Mutter Gottes von Einsiedeln, breite Deinen schützenden Mantel über uns. Führe uns immer näher zu Deinem Sohn und lehre uns Demut, Geduld und Vertrauen.

Herr, reinige auch mein Herz, so wie das alte Kreuz wieder seinen Glanz erhalten durfte. Lass Dein Licht in mir leuchten, damit ich mit meinen Gedanken, Worten und Taten Deine Liebe bezeuge.

Schenke mir die Kraft, jeden neuen Tag als Geschenk aus Deiner Hand anzunehmen und Dir in allem zu dienen.

Denn Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben – heute und in Ewigkeit.

Amen.


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